Erdbeerleben

Was macht eine Blume all die Zeit?
Ist sie sich bewusst ihrer Ganzheit?
Ihrer Vollkommenheit?
Ihrer Anschaulichkeit?

Dass sie so viel Freude verbreitet,
und uns mit Duft, Luft und Farbe erheitert,
Dass sie wächst und wächst,
Wie aus dem Nichts entfaltet verhext.

Da bekommt sie Erde und Wasser,
und trotzt der Sparsamkeit Laster,
es sprießen Stiele und grüne Blättchen,
und verwuseln sich wie flinke kleine Kätzchen.

Schnell haben sie sich stetig ausgestreckt,
und zur Sonne weit hingereckt.
Sie streben eifrig nach Licht und Sonne,
erblühen und reifen in freudiger Wonne.

Schon bald werden erscheinen die ersten Blüten,
blau, gelb, rot in strahlenden Farben das Grün-braun bewüten,
und einen Farbenteppich erzeugen,
alles Graue und Tote wegläutern.

Dann wird bei ihnen die Frucht rot und saftig erwachsen,
und Tier und Mensch werden vor Gier erwachen.
Ruckzuck werden sie gepflückt,
und vielfach wird an Blatt und Blüte eifrig gezupft.

Was tut die Pflanze ob der vielen Hände?
Ihre Verfassung spricht freilich Bände –
Licht und Wärme werden wenig spannend,
sie sucht ihren Halt verletzt, wankend.

Wo ist ihre Froheit hin?
Wo ihre Unbeschwertheit hin?

Sie zieht ihr Haupt zu sich heran,
Und spürt der Berührungs Brand.
Sie lässt die Blätter verwesen,
und sich zur Erde hin zurückgehen.

Doch, siehe da, das Licht ist noch da,
Sie hat die Wahl,
das Licht zu lassen und nur die Erde zuzulassen,
oder doch aufzuwachen,
und das Licht mitreinzulassen,
in die miese Stimmung,
und der Stiele schwache Windung.

Doch das Licht zulassen und es nochmal zu probieren,
der Tier und Menschen Gieren,
zu akzeptieren,
und das Leben weiterhin zu genießen?

Sie schaute tief ihre Blatt-Verfassung an,
und das Licht und ihre Freunde,
ihre unbändige Wachstums-Freude,
Und siehe da,
Siehe da,
das Leben letztendlich die Oberwand gewann.