Nächtliche Blumenaktion

Ich habe Blumen gekauft. Sie stehen auf meinem Regal. Die Blätter, grün und saftig, ragen nach oben. Die Blüten haben sich in Richtung Sonne, zum Fenster gereckt. Sie sind schwergeworden und berühren nun fast den Boden.

Vielleicht bekommen sie bald kleine Füßchen, Watschelfüßchen. Wenn ich sie also abschneide, befreie, vielleicht haben sie dann genug Zeit, bei Nacht, mit offenem Fenster, sich aufzuraffen, durchs Fenster zu huschen, auf die Fensterleiter und mit einem beherzten Sprung den Flug in den Garten zu wagen.

Im Garten, wo sie die richtige Luft zum Atmen haben, den richtigen Nährboden und sich neu entstehen lassen können, wie der Phönix aus der Asche wieder auferstehen kann. Und wo sie zu neuer Blüte und Schönheit erwachen können.

So betrachte ich sie noch ein Weilchen und stelle mir vor, sie würden untereinander reden, wie sie ihre Köpfe zueinander recken. Wie sie gemeinsam einen Plan aushecken.

Morgen liegt dann wahrscheinlich meine Blumenvase zerbrochen auf der Wiese. Und keiner weiß, wie sie dort hingekommen ist. Und ein neuer Strauch ist entstanden, mit vollen, kräftigen, gelben Ostertulpen.