Mensch sein – Über das Denken – Vol 1

Neulich habe ich mit einer Arbeitskollegin darüber diskutiert, was es heißt ein Mensch zu sein, oder auch menschlich zu sein.

Unsere Quintessenz des Gesprächs war es, dass wir als einziges Lebewesen in der Lage sind, über unser Denken nachzudenken. Wir können reflektieren, wir üben uns in sogenannter Meta-Kognition und wir können uns in dritter Person betrachten, ohne uns als Person zu verlieren.

Wir als Menschen besitzen die einzigartige Gabe, unser eigenes Handeln zu begutachten, unsere Entscheidungen zu hinterfragen und unsere Gefühle und Wünsche von unseren Gedanken und letztendlichen Handlungen zu trennen.

Diese Eigenschaft birgt enorme Potentiale und Chancen in den vielfältigsten Gebieten, denn es lässt uns als Mensch wachsen und sich stetig weiterentwickeln. Wir bleiben nicht stehen, handeln stets impulsiv und auf akuten Triggern basierend. Nein, wir können unsere Reaktionen auf diese Trigger betrachten und auf Basis unserer Wünsche, aber auch unserer Gedanken und langfristigen Ziele selber entscheiden, ob wir unseren Wünschen nachgeben oder ob wir uns dagegen entscheiden.

So formen wir uns als Menschen, in jeder Minute, in jeder Sekunde. Durch unser Abwägen formen wir unseren Weg. Und wir können unser Abwägen betrachten: ‚Bin ich mit der Entscheidung zufrieden?‘, ‚Hat meine Art der Entscheidungsfindung dazu geführt, dass ich mit der Entscheidung einverstanden bin?‘ ‚Was kann ich tun, um eine Fehlentscheidung in Zukunft zu vermeiden?‘.  

Wenn wir uns tiefgehend mit solchen Fragen der Reflektion auseinandersetzen, werden wir zu neuen Schlüssen und Verhaltensweisen quasi automatisch gelangen. Immer und immer wieder. Dadurch erschließt sich uns ein Weg, unser Weg, denn waren nicht wir es, die unseren Gedanken und Gefühlen eine Richtung gegeben haben? Wir haben sie aktiv gesteuert und gelenkt.

So mancher mag nun sagen, dass wir dem Determinismus unterliegen und eh alles vorbestimmt ist, was wir sagen, tun, handeln und das unsere Reflexionsfähigkeit nichts anderes ist als etwas, dass uns gegeben wurde, damit wir uns selbst besser fühlen.

Ja, das mag sein, wir wissen es faktisch nicht. Und dennoch ist dies eine doch sehr pessimistische oder auch eine sich-der-eigenen-Verantwortung-entziehende Sicht auf die Welt. Dann wäre alles egal, denn wieso bräuchten wir uns dann noch erfreuen, dann noch etwas wertschätzen, für etwas kämpfen wollen? Oder soll selbst dieser Teil deterministisch sein? Manche sind dazu bestimmt zu kämpfen, andere dazu depressiv zu sein und nie aus einem dunklen Loch herauszukommen?

Ich bleibe dabei, wir wissen es nicht. Ich glaube und ein Stück weit hoffe ich es auch, dass es unsere Meta-Kognition, unsere Fähigkeit zur Selbstreflexion ist, die uns Mensch sein lässt, die es uns erlaubt zu wachsen, uns weiterzuentwickeln und uns als ’Ich‘ zu begreifen.