Spielerische Faszination und Begeisterung für die Welt

Die Welt ist ein wundervoller Ort. Überall gibt es Geschichten. Es gibt Lebensgeschichten. Es gibt Menschen, die etwas erlebt haben, die durch etwas gegangen sind. Und die ihre Augen weit aufgemacht haben und die Welt aufgesogen haben.

Wenn man Kindern beim Spielen zuschaut, dann ist es faszinierend, mit welcher Begeisterung sie alles in den Mund nehmen, alles anfassen möchten, alles berühren, spüren, greifen möchten. Wie sie die Welt und alles in ihr begreifen und verstehen möchten.

Aus irgendeinem Grund hören wir dann aber auf, uns selbst diese kindliche Neugier, dieses kindliche Gefühl der Begeisterung zuzugestehen. Wenn ich mit erwachsenen Menschen spreche, finden viele die Neugierde von Kindern ansteckend, schauen ihnen gerne zu, doch sie selbst möchten sich dem nicht hingeben, trauen sich dieses Gefühl nicht zu, oder sind der Meinung, sie wären zu alt dafür.

 

Doch ist man je zu alt dafür?

Ich glaube nicht. Die Faszination für Menschen, aber auch für Dinge, Pflanzen, Maschinen, die Welt ist uns in die Wiege gelegt. Wir sollten uns ab und an anstecken lassen von dem großen Staunen, der großen Neugier, dem Enthusiasmus. Für zum Beispiel einen Marienkäfer, der auf dem Gehweg einen zweiten vor sich herschiebt, über das Kind, das in der Schaukel mit wippenden Locken hochsaust und vor Freude jauchzt, für die raue Zunge eines Kalbes, wenn es einem über den Handrücken leckt. Diese Dinge zulassen. Zulassen, dass sie einen mitnehmen, dass sie einen aufs Neue verblüffen, erfreuen, anregen, motivieren. Dass sie uns dazu ermuntern mitten auf dem Weg stehenzubleiben und den Duft einer Blüte zu erschnuppern, dass sie uns anstecken, in Kreiseln herumzuwirbeln und zu tanzen, dass sie uns anstacheln, wie damals, als wir klein waren, mit einem lauten Platschen in eine Pfütze zu springen und auf einen Blätter-im-Herbst-Haufen zu hüpfen. Anstatt uns hinter unserer steifen, reservierten, abweisenden Haltung zu verstecken oder so durchs Leben zu rennen, dass wir weder links noch rechts schauen können. Und mit der Zeit werden wir älter und werden sagen ‚Dafür bin ich jetzt zu alt‘. 

Das finde ich dann immer besonders schade. Und ich frage mich, sagen wir das, weil wir nicht können oder weil wir nicht möchten? Und wenn wir nicht möchten, möchten wir nicht, weil wir einfach nicht möchten, weil es nicht zu unseren spaßigen, schönen Aktivitäten zählt oder weil wir uns zieren, weil es sich nicht gehört, offen die eigene Begeisterung für die Welt auszuleben? Den bereits ausgetretenen Pfad zu verlassen und ein neues Stückchen Erde zu erkunden?

Wie kann man denn seine Begeisterung für die Welt ausleben?

Ich kann euch versichern. Das ist ganz einfach. Man kann zum Beispiel spazieren gehen. Und während dem Spaziergang schaut man ganz genau hin, was sich um einen herum abspielt. Und lässt die eigenen Augen wandern. Wandern als wäre man wieder ein Kind. Mit einer offenen Wahrnehmung, so offen, dass man jegliche Beurteilungen für einen kurzen Moment ausschaltet. Sondern einfach nur alles aufnimmt. Und wenn man etwas aufregend oder schön findet, nimmt man es auf und lächelt und freut sich ob diesem schönen Moment, den man mit seinen Augen eingefangen hat.

Und dann kann man natürlich noch an ganz vielen anderen Orten, mit anderen Sinnen die Welt erkunden. Sich einfach die Zeit nehmen, verrückt zu sein und etwas Neues zu probieren. Und wenn man sich das nicht traut, da wo ganz viele andere Menschen sind, dann sucht man sich ein ruhiges Plätzchen und tanzt und dreht sich um sich selbst. Und dies tut man nicht mit halbherziger Lust, sondern mit soviel Begeisterung, die man in diese Geste nur hineingeben kann.