Wie man mit Emotionen gut umgehen kann 

Emotionen sind etwas, dass sich aus uns heraus bewegt, denn es kommt aus dem Lateinischen und heißt ‚ex‘ und ‚movere‘. Also die Bewegung nach außen. Emotionen kommen meist aus unserem Unterbewussten und bahnen sich einen Weg in unser Bewusstes. Wenn sie stark genug sind. Dort können sie dann so stark agieren und ans Tageslicht treten, das man von ihnen völlig aus der Bahn geworfen wird.

Sie können so stark sein, dass wir sagen, ‚ich habe ein Gefühl wie 1000 Schmetterlinge, die in meinem Bauch hin und her schwirren‘ oder ‚ich fahre aus der Haut, weil ich wütend bin‘. Aber wir brauchen es auch nicht sagen. Oftmals spüren wir sie auch. Wir haben keinen Hunger oder übermäßig Hunger, wenn wir traurig sind, wir sind verspannt, wenn eine Situation schwierig ist, wir sacken in uns zusammen, wenn wir aufgeben. Zahlreiche körperlichen Haltungen zeigen auf, wie es uns mit unseren Emotionen geht und vice versa. Und sie können uns wie gesagt aus der Bahn werfen. Sie können unglaublich stark werden, sie können zerstörerisch werden, wenn sie ohne die eigene Grenze der Gedanken im Affekt und impulsiv an die Oberfläche, aus dem Innersten nach draußen drängen.

Um diese Emotionen in den Griff zu bekommen, um sie wieder in geordnete Bahnen zu lenken, gibt es meistens nur einen Weg. Und dieser Weg bedeutet, sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen. Sie verstehen lernen, begreifen lernen, durchleben lernen, um sie dann loslassen zu können und weiterziehen zu können.

 

Wie können wir also vorgehen, um unsere Emotionen besser zu begreifen?

Zuallererst ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen und dieses Durcheinander in einem selbst zu beseitigen. Denn Gefühle, die so stark sind, dass sie außer Rand und Band sind, müssen erst einmal wieder eingefangen werden. Damit man sich die Essenz dessen, was unter ihnen verborgen ist, besser anschauen kann, um sie dann zu verstehen und einzuordnen.

Dabei kann es helfen zu meditieren, lange Spaziergänge zu machen, Sport zu treiben, oder sich auf andere Dinge zu konzentrieren, um ebenjenen Gefühlen Zeit zu geben, um sich zu beruhigen und einem selbst, um ruhiger zu werden. Dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen und mal gut und mal weniger funktionieren. Denn diese Emotionen sind knifflig, sie finden immer wieder eine Möglichkeit, sich einen Weg zu bahnen, wie ein Fluss, der durchs Land fließt, ewig neue Abzweigungen findet, um weiter zu kommen. So machen das auch die Emotionen, sie finden immer wieder Stellen, an denen sie ausbrechen können – ein gesagtes Wort, ein gesagter Satz, eine Unsicherheit, eine Unklarheit, und sofort sind sie wieder da und machen bewusst, dass man es eben noch nicht geschafft hat, sie vollkommen in den Griff zu bekommen. Und mit in den Griff bekommen, meine ich diese tobenden Fluten in den Griff zu kriegen, die Gefühle, die ablenken und einem keine Möglichkeit mehr lassen, sich auf eigene Ziele, Bedürfnisse und Wünsche gut und in sich ruhend zu konzentrieren. Es heißt nicht, dass man diese Emotionen ignorieren sollte, denn sie sprechen eine ganz klare Sprache, und es wäre fatal sie einfach wegzuwischen. Aber sie dürfen eben nicht die Überhand gewinnen, sie dürfen nicht so stark werden, dass sie das eigene Leben beeinträchtigen und ablenken.

Wenn ich es also nach und nach immer besser schaffe, meine Emotionen auf ein normales Level runterzuschrauben, sie zu besänftigen, ihnen zu verstehen zu geben, dass sie ihre Berechtigung haben, dass ich sie noch anschaue und betrachte, aber dass ich sie dafür in einem gemäßigteren Ausmaß brauche, dann ist das ein erster guter Schritt.

Dann kann ich anfangen sie zu erspüren. Und sie zu benennen. Ich kann also Freude, Wut, Sehnsucht, oder auch Zweifel und Liebe spüren. Und auch das bedarf einiger Übung. Denn wir verlernen oft, uns mit unseren Emotionen zu beschäftigen. Sodass es oft notwendig ist, sich mit den Begrifflichkeiten von Emotionen auseinanderzusetzen. Ein Beispiel ist hier das Rad der Emotionen von Robert Plutchik, was Emotionen auf 8 Kategorien einteilt. Aber es lassen sich zahlreiche Listen von Emotionen im Internet finden, die uns überhaupt erst einmal bewusst machen, dass wir es hier nicht nur mit ‚ärgerlich‘, ‚traurig‘, ‚eklig‘, ‚verliebt‘ und ‚freudig‘ zu tun haben, sondern es eine große Breite weiterer Emotionen gibt wie ‚freudig erregt‘, ‚wohlwollend‘ und ‚neugierig‘. Dabei ist es auch völlig normal, wenn man nicht nur eine Emotion verspürt, sondern mehrere gleichzeitig. Oder daraus schließt, dass die Emotion auch ‚verwirrt‘ sein kann. Aus meiner eigenen Erfahrung hilft es, durch diese Listen durchzugehen, um zu schauen, welches Wort besonders stimmig wirkt.

Wenn wir uns unsere Emotionen also zum Zeitpunkt X genauer unter die Lupe genommen haben und ein ungefähres Bild im Kopf haben, was in uns los ist, können wir anfangen, diese Emotionen mit den Dingen, die gerade in unserem Leben passieren abzugleichen. Wir können also schauen, wieso wir diese Emotionen spüren. Was möchten sie uns sagen? Wieso treten sie gerade jetzt zutage? Für diese Interpretation ist es hilfreich, sich einen Stift und ein Papier zu nehmen und sich zu jeder Emotion Gedanken zu machen. Hier ist es meist auch besser, dies in einem fließenden Schreibstil zu tun. Also nicht zu viele bewertende Gedanken einfließen zu lassen, sondern nur zu schreiben. Denn damit zapfen wir eher das Unterbewusste an, anstatt Interpretationen an falscher Stelle hinzuzufügen.

Wenn wir ein zufriedenstellendes erstes Bild unserer Emotionen haben sowie den Gründen, wieso sie gerade auftauchen, können wir entscheiden, wie wir mit den Emotionen umgehen möchten. Denn sie teilen uns normalerweise immer etwas mit. Dabei gibt es Emotionen, wo ganz klar ist, dass sie mit einem bestimmten Ereignis zu tun haben, es wird aber auch einige geben, wo der letzte Schritt sehr schwer war und zu mehreren möglichen Ereignissen oder Situationen geführt hat. Auch ist es möglich, dass man seine Emotion mit etwas Falschem verknüpft oder das man sich selbst schützen möchte, und somit seine Emotionen auch in eine falsche Richtung lenkt, um sich mit manchen Dingen nicht auseinandersetzen zu müssen. Das klingt nun kompliziert, aber mit der Zeit kann man seine Emotionen Stück für Stück besser einordnen.

Und dann geht es darum, diese Emotionen in konkrete Schritte und Aktionen umzuwandeln. Wenn ich also zum Beispiel erkenne, dass ich traurig bin, weil ich unseren Hund vermisse, der vor 10 Jahren gestorben ist, kann ich mir einen Raum, eine Zeit geben, um mich an die schönen Momente mit ihm zu erinnern oder aber ich kann mir überlegen, ob ein Hund meinen Haushalt bereichern würde. Oder ich erkenne, dass ich ängstlich bin, weil die Steilwand in dem Gebirge doch größer ist als gedacht. Das heißt ich kann bewusst langsamer gehen, Mitwanderer bitten mich zu unterstützen oder wieder umdrehen. Und dies wiederum sollte ich mit Selbstfreundschaft tun, also diese Emotion nicht kleinreden oder unterdrücken, sondern ganz bewusst mit ihr und auch mir in diesen Situationen umzugehen. Oder ich merke, dass ich unglücklich bin, weil ich mit einer eigenen Handlung nicht zufrieden bin oder ich bin traurig, weil mir ein Freund entgleitet oder ich bin freudig erregt, weil ich mich auf ein Treffen mit einem mir wichtigen Menschen freue.

Besonders wenn wir diese Emotionen oftmals spüren und über einen längeren Zeitraum geben sie uns zu verstehen, dass das, was hinter ihnen verborgen liegt, uns wirklich wichtig ist. Das es ein Thema ist, mit dem wir uns auseinandersetzen sollten. Denn wenn wir dies nicht tun, wird es immer nagender werden und uns zunehmend unglücklich machen, weil wir nicht daran arbeiten, es in unser Leben zu integrieren.

 

 

Was sollten wir also mitnehmen?

Emotionen sind wichtige Indikatoren, was uns wichtig ist. Sie zeigen auf, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen sollten, anstatt sie im Affekt Überhand gewinnen zu lassen. Und dann ganz bewusst zu handeln. Wenn wir mit uns und unseren Emotionen im Reinen sind, wird es uns auch helfen, mit uns selbst im Reinen zu sein. Denn wir wissen, was uns im Innersten beschäftigt, wir können unsere Emotionen benennen. Dies wiederum wird uns in der klaren, ehrlichen, wertschätzenden Kommunikation helfen. Wir sind in der Lage, sagen zu können ‚ich bin verwirrt, kannst du es mir noch einmal erklären‘ oder ‚ich bin überlastet, ich brauche Zeit für mich‘ oder ‚ich mag dich, ich möchte Zeit mit dir verbringen‘. Und damit sind unsere Emotionen ein sehr wichtiges Vehikel, dass es jedoch gilt bewusst und mit ruhigen Gefühlen zu betrachten, um für sich selbst herauszufinden zu können, was in einem vorgeht, was einem wichtig ist, und wie man diese Dinge so klug und bewusst wie möglich zur Sprache bringen kann und sein eigenes Leben und das der Mitmenschen Schritt für Schritt verbessern kann.