Creative Leadership Salon #1

Gestern Abend war ich beim ersten Creative Leadership Salon hier in München. Und es war einfach nur fantastisch. Ich hatte die Veranstaltung vor kurzem entdeckt, nachdem ich nach Salon-Veranstaltungen in München gesucht hatte. Creative Leadership und Salon – da passte wirklich alles. Das Thema war für mich perfekt gewählt – Diskussionen rund um das Thema Unternehmen an der Schnittstelle von Profit, Zukunftsfähigkeit und Sinnhaftigkeit und das Format des Salons – eines offenen, wertschätzenden, tiefen Austausches.

Zu dem Salon kamen ca. 20 bis 25 Personen ins COKREA. Der Raum war einladend gestaltet und wir testeten uns durch den von uns eigens mitgebrachten Lieblingskäse mit Baguette und Rotwein. Lecker.

Nach einem ersten gegenseitigen Kennenlernen und Sättigen, startete der formalere Part des Abends, bei dem sich die Initiatoren des Creative Leadership Salons (die Gründer von COKREA und NAMENAME) vorstellten.

Anschließend hielt Ewa Maciejewski, Leiterin des MBA Programme Managements an der Universität St. Gallen, einen Impulsvortrag über kreatives Talent. Ihre Art gefiel mir gut. Sie war bodenständig, war sich sicher, dass sie nicht die ganze Wahrheit verpachtet hatte und bereitete uns darauf vor, dass sie ein paar offensive Thesen vorstellen würde, über die wir dann besonders gut diskutieren könnten. Denn wenn wir unsere Thesen, unabhängig davon, wie stark und provokativ sie sind, nicht aussprechen, dann stehen wir im Endeffekt für gar nichts.

Sie war 20 Jahre lang Architektin gewesen und hatte in dem Bereich auch unterrichtet, bevor sie dann den Wechsel zur Business-Welt vornahm, um nun die Brücke zwischen Kreativität und der Business-Welt zu schlagen.

Sie unterteilte ihren Vortrag in drei Themenbereiche – individuelle Kreativität, Team-Kreativität, Organisations-Kreativität – und die Frage, weshalb diese Themen überhaupt relevant sind.

Über die individuelle Kreativität sagt sie, dass man Talent als Fähigkeit minus Anstrengung (talent = ability – effort) beschreiben kann. Sie ist davon überzeugt, dass jeder alles lernen kann, also auch die Kreativität. Und das Kreativität nichts mit dem Alter zu tun hat. Ihrer Auffassung nach haben Menschen mit 60 oder 70 Jahren die höchste Kreativität.

Im Kontext der Team-Kreativität erzählt sie uns, dass sie Design Thinking und Post-ist hasst. Für sie sind dies Design-Methoden wo es keine einheitlichen Methoden geben darf. Denn Kreativität entsteht im regellosen, zufälligen Raum, wie das Tanzen in diesem einen Moment. Was wir jedoch beeinflussen ist, ist dieser Raum des Tanzens. Wir können Vertrauen aufbauen, um das tanzen zu ermöglichen. Wir können verschiedene Menschen, verschiedene Perspektiven vereinen, um Kreativität zu fördern.

Ihrer Meinung nach ist es auf der organisatorischen Ebene unnötig, kreative Unternehmen zu schaffen, neue kreative Kulturen zu entwickeln. Was entscheidend ist, ist die richtige Verteilung von Kreativen und Nicht-Kreativen (Machern, Umsetzern) in einer Firma. Sie plädiert dafür, dass es in jeder Abteilung ein bis zwei kreative Typen gibt, die Dinge infrage stellen. Denn Kreativität ist schlussendlich 5% der Arbeit, die restlichen 95% sind reine Umsetzung und harte Arbeit.

Am Schluss ihres Vortrages fasst sie zusammen, dass Kreativität wichtig ist, denn kreative Personen sehen neue Verbindungen durch die Innovationen entstehen. Es ist wichtig Brücken zu schlagen zwischen Kreativen und Machern. Aber zuerst braucht es Kreativität, um menschliche Bedürfnisse zu verstehen, dann kommt die Technik, um diese Ideen umzusetzen.

In der anschließenden Diskussion nach dem Fishbowl Prinzip haben wir über ihre Thesen diskutiert. Besondere Themen waren dabei die Rolle von Vertrauen in Unternehmen und Teams, die Frage, an wen denn nun Kreativität unterrichtet werden solle, ob wir alle kreativ sein müssen, um für die Zukunft fit zu sein (als Individuum und in Teams und Organisationen) und wie wir es schaffen, in Unternehmen Brücken zwischen Kreativen und Business-Machern aufzubauen und zu stärken.

Ihr Abschluss-Kommentar nach der Diskussion brachte weitere Thesen: Kreativität ist Intelligenz (Dinge verknüpfen können), Kreativität entsteht, wenn wir Perspektiven wechseln und Dinge diversifizieren, und es ist völlig absurd und unnötig zu versuchen, Kreativität zu messen.

Der Abend war anregend und die Gespräche mit viel Mehrwert verbunden. Wenn Sie als Leser Interesse an einer weiteren Diskussion haben, sprechen Sie mich gerne an oder gehen Sie zu einem der kommenden Creative Leadership Salons.

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